Nachhaltigkeit
Konrad Ott vom Sachverständigenrat für Umweltfragen definiert den Wortsinn von Nachhaltigkeit wie folgt: „Regenerierbare lebende Ressourcen dürfen nur in dem Maße genutzt werden, wie Bestände natürlich nachwachsen.“
Dieser ursprüngliche Wortsinn wurzelt im forstwirtschaftlichen Nachhaltigkeitsdenken. 1661 formulierte erstmals ein Verwalter der Stadt Reichenhall unter dem Begriff „Ewiger Wald“ einen derartigen Ansatz. Zur Salzgewinnung wurde dort Sole verdampft, wozu viel Brennholz genötigt wurde. In den Wäldern um die Saline sollten nur so viel Bäume geschlagen werden, wie im gleichen Gebiet jedes Jahr nachwachsen. Die Salinenverwaltung erstellte sogar entsprechende Holzeinschlagspläne, doch hielt sich damals niemand daran…Der Begriff Nachhaltigkeit selbst wird auf eine Publikation von Hans Carl von Carlowitz aus dem Jahr 1713 zurückgeführt, in der er von der „nachhaltenden Nutzung“ der Wälder schrieb, ohne aber weiter auszuführen, wie sie zu erreichen sei. Hermann Friedrich von Göchhausen griff den Begriff 1732 auf. In seiner Anweisung zur Taxation und Beschreibung der Forstbestände von 1795 hat Georg Ludwig Hartig dann ausformuliert, was Nachhaltigkeit bedeutet, auch wenn er den Begriff nicht verwendet. „Nachhaltigkeit“ bezeichnet also zunächst die Bewirtschaftungsweise eines Waldes, bei welcher immer nur so viel Holz entnommen wird, wie nachwachsen kann, so dass der Wald nie zur Gänze abgeholzt wird, sondern sich immer wieder regenerieren kann.[3] Der Begriff wurde schließlich als sustained yield ins Englisch übertragen und fand Eingang in die internationale Forstwissenschaft.[3]
Im erweiterten Sinn eines „Zustands des globalen Gleichgewichts“ taucht der Begriff sustainable 1972 im Bericht Die Grenzen des Wachstums an den Club of Rome erstmals an prominenter Stelle auf. [4]
„We are searching for a model output that represents a world system that is: 1. sustainable without sudden and uncontrollable collapse (…)“
– Dennis L. Meadows: The Limits of Growth 1972
Das Adjektiv sustainable findet dann 1974 in einem Dokument des Ökumenischen Rates der Kirchen Eingang, der bei der Definition eines neuen sozialethischen Leitbilds die Formulierung „just and sustainable society“ verwendet.[4] Schließlich findet sich sustainable 1980 in der World Conservation Strategy, einer Richtlinie für den weltweiten Naturschutz, die unter der Schirmherrschaft des Generalsekretärs der Vereinten Nationen erarbeitet worden war.[4]
Bis 1987 waren die Begriffe sustainable und sustainability jedoch noch nicht fest in der englischen Sprache verankert. So findet sich im Wörterbuch PONS lediglich die Wortbildung sustained, wie sie in der Forstwirtschaft verwendet wird. Die Rückbesinnung auf die forstwirtschaftlichen Wurzeln erfolgte erst, als der Begriff der Nachhaltigkeit in Deutschland bei der Suche nach einer geeigneten Übersetzung für sustainable und sustainability gesucht wurde.
Abgelegt unter : Agenda, Konzept, Medien, Nachhaltigkeit, Reparieren & Pflegen, Rohstoff & Material, Sport & Spiel, Varia